Schutz von Wald, Biodiversität und Rechten indigener Völker am Beispiel des Amazonas- und Kongobeckens

Allgemeine Stellungnahme von Johannes Schwegler zur öffentlichen Anhörung des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (AwZ) des  Deutschen Bundestages.

Der Schutz, Erhalt und - sofern dies bei tropischen ungenutzten Wäldern überhaupt machbar ist - ihre nachhaltige Bewirtschaftung, ist aus Sicht von Fairventures nicht nur „dringend geboten“, sondern ein absolutes „Muss“, um den Klimawandel zu stoppen, gefährliche Kipppunkte zu neutralisieren, die biologische Vielfalt (die Festplatte der genetischen Ressourcen unseres Planeten) für künftige Generationen zu bewahren und die Lebensräume für die Menschen in diesen Regionen zu erhalten. Mit der gleichzeitigen massiven Senkung der CO2-Emissionen, vor allem aus Industrie, Verkehr und Energieerzeugung, bieten die Wälder - und ihre Böden -  (Vegetation im Allg.) die sofort verfügbare grüne Carbon Capture and Storage (CCS) Infrastruktur, mit der in den klimarelevanten wichtigen kommenden 10-30 Jahren noch Weichen gestellt werden können, den Klimawandel zu verlangsamen, ihn abzubremsen bzw. für erforderliche Handlungsmaßnahmen noch die „Dehnungsfuge“ zu verlängern. Das „grüne Potenzial des CCS“ gilt es politisch zu erkennen und zu „heben“. Dies erfordert aber in der Tat eine konzertierte und aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit besonders der politischen Akteure (insbesondere der Geber und Durchführungsorganisationen gemeinsam mit den Partnerländern in den unterschiedlichen international geschaffenen Förderinstrumenten wie GEF, WB, Green Climate Fund usw.), als auch die Einsicht, dass nationale Waldentwicklung - gerade in den Tropen - nicht an 3-Jahres-Projektphasen gekoppelt werden kann, sondern Prozesse mit Veränderungen bei den beteiligten Akteuren betreffen, die 10, 20 und sicher auch 30 Jahre „Entwicklungszeit“ benötigen.

Aus der weiteren und näheren Vergangenheit gibt es drei prominente Beispiele, welche die weltweiten Bemühungen zum globalen Walderhalt und dem wirksamen Schutz tropischer Wälder widerspiegeln: der Tropenwald-Aktionsplan (TFAP) aus den 80er/90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, angestoßen durch die FAO und den Forstsektor, das Merck-INBio Vertragsmodell zwischen Costa Rica und dem Pharmakonzern Merck zur Nutzung genetischer Ressourcen Anfang 1990 als innovative Initiative aus der Biodiversitätskonvention (CBD) und der REDD+ Mechanismus der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) ab 2010.

Neben dem Schutz und Erhalt der Tropenwälder und dem gleichzeitigen Absenken der globalen CO2-Emissionen sollte aber gleichberechtigt der Wiederaufbau von Wäldern und Waldlandschaften stehen, der über ein enormes Entwicklungspotenzial verfügt. Im Englischen Sprachgebrauch wird hierfür der Begriff „Restoration“ verwendet. Maßgeblich wurde diese, den Schutz und Erhalt der Wälder „komplementierende“ Idee zum Wiederaufbau von Wäldern und Waldlandschaften, durch das Bundesumweltministerium (BMUV) gemeinsam mit der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) 2011 mit der „Bonn Challenge“ – einer Dialog- und Kooperationsplattform zum Wiederaufbau von Wäldern – international sichtbar auf die politische Bühne gehoben; auch das BMZ unterstützt diesen Ansatz durch seine AFR100 Initiative in Afrika. Die Dekade der Vereinten Nationen zum Wiederaufbau von Ökosystemen (2021-2030) ist ein Ergebnis dieser Plattform und bietet Fairventures zusammen mit verschiedenen SDGs den politischen Handlungsrahmen für sein Engagement.

Wie beim Schutz, Erhalt und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern, gibt es auch für den Wiederaufbau von Wäldern und Waldlandschaften keine einheitliche Lösung. No one-size-fits-all ist hier der Leitbegriff – oder wie es die deutsche Forstwirtschaft mal formuliert hat: das eiserne Gesetz des Örtlichen. Es gibt einen großen „Werkzeugkasten“ von Ansätzen, Beispielen und Erfahrungen, der je nach den Erwartungen der beteiligten Akteure und Standort Anwendung finden kann.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Fairventures eine eigene innovativ-kreative „Paket"-Strategie beim Wiederaufbau von Wäldern in Indonesien und Uganda. Geleitet wird der Arbeitsansatz auch von den „10 goldenen Regeln zur Wiederbewaldung", die das internationale Agro-Forst-Forschungsinstitut ICRAF 2021 veröffentlicht hat.

In Uganda testet Fairventures seit einigen Jahren erste Pilotpflanzungen mit schnellwüchsigen, heimischen Baumarten mit dem Ziel, diese in den bestehenden Bananen-Kaffee-Kulturen locker verteilt als „agro-forstliche Erweiterungsanbauten“ einzubringen. Aus den Bäumen sollen, in Verbindung mit dem Holzbausektor (holzverarbeitende Betriebe, Schreiner), Holzleimbinder für den nationalen – aber auch regionalen – Markt hergestellt werden. In dieser neuen „Paket"-Strategie verbinden sich kleinbäuerliche Strukturen mit der Entwicklung eines neuen holzverarbeitenden Marktansatzes. Mit diesem Ansatz werden die hohen und kaum tragbaren Erstinvestitionskosten der Bauern vermieden. Dieser Ansatz verlangt NICHT von den Bauern/Farmern auf den Rückfluss der zuvor geleisteten Investitionen mehrere Jahre zu warten – sondern aus den bestehenden landwirtschaftlichen Kulturen fließen die zum Lebensunterhalt benötigten Erträge bereits, und durch die zusätzliche Baumanpflanzung können diese mit sehr geringem Mehraufwand „quasi nebenher“ gesteigert werden.

Eine zusätzliche Nutzungsoption der angepflanzten Bäume durch die Kleinbauern wurde in den letzten zwei Jahren mit TREE0, einer Mobiltelefon gestützten digitalen Erfassung der Baumvolumina und der damit verbundenen CO2-Speicherung, entwickelt.

Bei Fairventures steht besonders im Fokus, dass es gelingen muss, ländliche Strukturen - mit besonders kleinbäuerlichen Farmen - dabei zu unterstützen, eine nachhaltige, grüne Wertschöpfungskette zu schaffen, die klima- und biodiversitätsfördernd ist und die Lebensgrundlagen der Kleinbauern langfristig erhält und ertragreicher macht. Die Bauindustrie bekommt mit dem zusätzlich verfügbaren Holz die Möglichkeit, zum Holzbau zu transformieren und graue Baumaterialien wie Beton und Stahl zu substituieren. Mit diesem Ansatz ist zugleich die Erwartung verbunden, dass der Druck auf die bestehenden Restwälder verringert oder sogar gänzlich eingestellt wird und, dass dadurch auch neue Vernetzungsstrukturen zwischen Waldgebieten entstehen können. Untersucht wird, inwieweit das Konzept um den Anbau von „Insekten-/Bienen-Baumarten und den Anbau gemischter Waldstrukturen erweitert werden kann.

Wenn wir nun die gesamte Wertschöpfungskette - von der Aufforstung zum Holzbau - betrachten, werden 4 verschiedene Kohlenstoff- Effekte erkennbar:

  1. Grün: Kohlenstoffeinlagerung über die Biomasse über und unter dem Boden auf der Waldfläche - hier bei einer Erntezeit nach 10 Jahren
  2. Braun: Kohlenstoffeinlagerung langfristig in Holzprodukten - hier wird 50% des Holzes für den Holzbau verwendet
  3. Schwarz: Kohlenstoffeinlagerung dauerhaft in Pflanzenkohle aus Holzabfällen für Biodünger verwendet
  4. Grau: CO2 Emissionsvermeidung durch Substitution von grauem Stahl & Zement

Zusammenfassung:

  1. Walderhalt ist extrem wichtig und muss allererste Priorität haben. 
  2. Die Aufforstungen und der Holzbau müssen zusammen gedacht werden. Wir müssen Verantwortung für die gesamte Lieferkette übernehmen, Rohstoffe für die Kreislaufwirtschaft produzieren und graue Baumaterialien substituieren.
  3. Die Kleinbauern stehen im Vordergrund. Die CO2-Standards müssen sich nach ihren Bedürfnissen richten und der Großteil der Klimagelder muss bei den Akteuren vor Ort ankommen.
  4. Vertrauen in naturbasierte Klimalösungen ist nur durch striktes Monitoring möglich. Die volle Digitalisierung bietet die Voraussetzung für die Skalierung. 
  5. Unsere bisherigen Projektzyklen sind zu kurz. Bei Waldprojekten braucht es eine mindestens 10-jährige Projektlaufzeit. 
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